Team-Workshop – Interview mit Florian Franzen

Florian Franzen ist als Personality Guide bei PG für Beratungs-, Zertifizierungs- und Coaching-Initiativen verantwortlich.

Datum: 10. August 2026

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Was ist das primäre Ziel von Team-Workshops und wie profitieren Unternehmen davon?

Das Ziel eines jeden Team-Workshops hängt ganz von den Zielen des Kunden ab. Die Spanne reicht von der Bearbeitung dysfunktionaler Teams bis hin zum Aufbau eines High-Performance-Teams. Es gibt kein standardisiertes Hauptziel, da es komplett auf den Kunden ankommt. Das wichtigste Erfolgsergebnis ist jedoch, dass das Team die Session in einem besseren Zustand verlässt als vorher.

Wie bei jedem Team-Workshop, Coaching oder Leadership-Development-Format gibt es zwar ein Hauptthema. Wenn man jedoch beginnt, an der Oberfläche zu kratzen, stellt man vielleicht fest, dass ganz andere Dinge dahinterstecken. Das ist eigentlich etwas Positives – man kann den Kunden damit überraschen und einen Mehrwert schaffen, der über die ursprünglichen Erwartungen hinausgeht. Das Ziel eines Workshops ist es also, echten Mehrwert zu stiften.

Wie gestalten Sie einen Team-Workshop? Welche Schlüsselfaktoren berücksichtigen Sie?

Der entscheidende Faktor ist zu verstehen, wie Erfolg für den Kunden aussieht. Bevor ich einen Workshop konzipiere, frage ich den Kunden immer: „Wann war die Session am Ende für Sie ein Erfolg?“ Ein Team-Workshop muss so gestaltet sein, dass er dieses Ziel erfüllt und man es während des gesamten Prozesses im Blick behält.

Ich kombiniere gerne quantitative Datenpunkte, wie etwa Erkenntnisse aus Persönlichkeitsanalysen, mit qualitativen Inhalten, wie zum Beispiel Einzelinterviews mit den Teilnehmenden im Vorfeld. In der Konzeptionsphase ist ein „roter Faden“ hilfreich. Ebenso wichtig ist es jedoch, in der Durchführung agil zu bleiben und offen für das zu sein, was auftaucht, wenn man tiefer gräbt. Man sollte sich nicht zu starr an das ursprüngliche Design klammern. Nutzen Sie den roten Faden sowie die quantitativen und qualitativen Daten, aber lassen Sie Raum für eine organische Dynamik.

Ein hervorragendes Werkzeug für quantitative Daten ist Hogan. Es hilft dabei, Erfolg und Leistung vorherzusagen, und liefert strategische Selbstwahrnehmung auf individueller wie auch auf Teamebene. Das Schöne an Hogan im Workshop-Kontext ist, dass man mit Einzelanalysen und individuellem Feedback startet und diese Ergebnisse anschließend aggregiert, um eine Geschichte auf Teamebene zu erzählen.

Es ist absolut essenziell, die Workshop-Inhalte mit der konkreten Arbeit der Teilnehmenden zu verknüpfen. Deshalb sind Vorgespräche so wichtig. Mit meiner mehr als 20-jährigen Erfahrung in der Unternehmenswelt stelle ich stets sicher, dass jeder Workshop in das große Ganze eingebettet ist – sei es die Unternehmensstrategie oder, im Falle eines HR-Teams, die People-Strategie. In der Vorbereitung informiere ich mich zudem gründlich über das Unternehmen, die Branche und aktuelle Herausforderungen.

Nutzen Sie während der Workshops Tools oder Technologien wie Whiteboard-Apps oder Gamification?

Das hängt stark vom Setup des Teams ab. Wenn ein Team beispielsweise Hogan-Assessments absolviert hat und hohe Werte bei Motivationen und Werten wie „Science“ (Wissenschaft) aufweist, setze ich weniger auf Gamification und mehr auf Daten. Möchte man einen rein wissenschaftlichen Ansatz hingegen gezielt aufbrechen, kann ein unerwartetes Element wie ein Spiel genau das Richtige sein.

Mein Stil ist eher erfahrungsorientiert – ich möchte ein Erlebnis für das Team schaffen. Ich komme nicht mit festen Spielen im Kopf in den Raum, sondern spüre, was im Moment passiert. Wenn sich eine bestimmte Dynamik abzeichnet, greife ich spontan auf das passende Werkzeug aus meinem Werkzeugkoffer zurück.

So wichtig die Vorbereitung mit Daten, Erkenntnissen und Interviews auch ist – ebenso entscheidend ist es, dem Team zu helfen, hinter die Daten zu blicken. Was sagen uns die Daten wirklich? Daten sind erst einmal nur Daten. Man kann moderne Tools und Spielereien nutzen, aber die echte Qualität entsteht durch die Diskussionen und Gespräche während des Workshops.

Genauso wichtig ist ein klarer Aktionsplan am Ende. Was machen wir nun damit? In der Vorbereitung denke ich über das „Was?“ nach (Was ist die Geschichte?), während der Session konzentriere ich mich auf das „Und was bedeutet das?“ (So what?), und nach dem Workshop dreht sich alles um das „Was jetzt?“ (Now what? – Was setzen wir konkret um?).

Eines der ineffizientesten Ergebnisse ist eine tolle Vorbereitung und eine super Diskussion ohne anschließende Umsetzung. Das „Was jetzt?“ ist entscheidend.

Wie stellen Sie sicher, dass alle Teilnehmenden engagiert sind und sich einbringen?

Im Vorfeld Einzelgespräche mit den Teammitgliedern zu führen, ist enorm wirkungsvoll. Es baut Vertrauen auf und gibt ihnen den Raum, offen zu sagen, was wirklich los ist. Zu Beginn der Session hat man bereits ein Gefühl dafür, wer die lauteren Stimmen sind, wer eher zurückhaltend ist und wer vielleicht etwas mehr Ermutigung braucht.

Es geht darum, eine gesunde Balance zwischen eher extravertierten und eher introvertierten Teilnehmenden zu finden. Ich versuche meist, die ruhigeren Stimmen einzubinden und die dominanten etwas einzubremsen – allerdings sehr subtil. Niemand soll in eine unangenehme Lage gebracht werden.

Als Moderator ist es wichtig, die Körpersprache zu beobachten. Wenn mich beispielsweise eine eher introvertierte Person ansieht, ist das oft der richtige Moment, sie in die Diskussion einzubeziehen. Schaut sie weg, tue ich es eher nicht.

Präsent zu sein bedeutet als Moderator, aufmerksam zuzuhören – nicht nur auf das, was gesagt wird, sondern auch auf die nonverbale Kommunikation.

Was ist das Wichtigste an einem Moderator?

Im Workshop geht es nicht um Sie. Es geht um das Team und den Kunden, dem Sie dienen. Sie müssen sich zurücknehmen. Es ist nicht Ihre Session, sondern ihre.

Vergleichen lässt sich das mit einem Architekten: Manche Architekten sind auf ihren eigenen Stil fixiert und bauen ein Haus nur nach ihren Vorstellungen. Andere treten zurück und entwerfen ein Haus, das für den Kunden passt. Als Moderator sollten Sie den zweiten Ansatz wählen. Präsent sein ja, aber sich selbst nicht in den Mittelpunkt stellen.

Wie gehen Sie mit bestehenden Konflikten oder Unstimmigkeiten im Team um?

Wenn ich vorab Einzelinterviews führen konnte, weiß ich meist schon, wo Konflikte liegen könnten. Betrifft ein Konflikt nur zwei Personen, lasse ich sie das unter sich klären. Betrifft er jedoch das gesamte Team, spreche ich ihn offen an – aber mit Achtsamkeit. Man möchte niemanden an den Pranger stellen, daher braucht es Fingerspitzengefühl für den richtigen Zeitpunkt und den passenden Rahmen.

Wie messen Sie den Erfolg eines Team-Workshops?

Ich frage die Kunden zunächst nach ihren üblichen Messmechanismen – ob sie Umfragen, Feedback-Bögen oder Interviews nutzen. Gibt es keine, klinke ich mich im Nachgang bei einzelnen Teammitgliedern ein oder nutze eine einfache Befragung. Auch ein Follow-up-Termin nach drei Monaten hilft, den Aktionsplan zu festigen und Fortschritte zu messen.

Wir als Moderatoren ermöglichen Fortschritt, aber wir besitzen ihn nicht – das liegt beim Kunden. Zudem ist Selbstreflexion für Moderatoren wichtig, um den eigenen Ansatz stetig zu verbessern.

Ein abschließender Tipp für Führungskräfte, die an einem Team-Workshop teilnehmen?

Bringen Sie sich ganzheitlich ein. Seien Sie authentisch und inspirierend. Auch wenn Sie eine Führungsrolle haben, sind Sie Teil des Teams. Es geht nicht darum zu dominieren oder abwesend zu sein, sondern als Teammitglied beizutragen und nur dann als Führungskraft einzugreifen, wenn es notwendig ist.

Zu Beginn des Workshops ist es wichtig, den Rahmen abzustecken und den Ton anzugeben. Denken Sie daran: Es ist ein „Team-Workshop“, kein „Chef-Workshop“.

Ein letzter Gedanke?

Einen Team-Workshop durchzuführen bedeutet nicht, dass das Team dysfunktional ist oder schlechte Leistungen bringt. Jedes Team hat seine Qualitäten und Stärken. In einem Workshop geht es darum, diese Stärken zu erkennen und zu ergründen, wie das Team noch besser werden kann.